Unternehmen, die systematisch in Arbeitsschutz und Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) investieren, erhöhen ihre Attraktivität als Arbeitgeber messbar. Das belegt eine neue Untersuchung der Initiative Gesundheit und Arbeit (iga), die in ihrem iga-Report 49 „Beschäftigte gewinnen und binden als attraktive Arbeitgebende" veröffentlicht wurde. Die Studie basiert auf einer systematischen Auswertung wissenschaftlicher Studien und einer begleitenden Beschäftigtenbefragung. Das Ergebnis: Je breiter und systematischer die Angebote im Bereich Betriebliches Gesundheitsmanagement und Arbeitsschutz, desto höher die Attraktivität für potenzielle und bestehende Mitarbeiter.
Für die Baumaschinenbranche, die mit akutem Fachkräftemangel und körperlich anspruchsvollen Tätigkeiten konfrontiert ist, ist diese Erkenntnis besonders relevant. Der iga-Report zeigt: Unternehmen, die das Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden ernst nehmen, signalisieren damit glaubhaft, dass ihnen die Gesundheit der Belegschaft wichtig ist. In einer Branche, in der Maschinenbediener, Liebherr-Kranführer oder Caterpillar-Techniker hohen Belastungen ausgesetzt sind – etwa durch Lärm, Staub, Vibrationen und ungünstige Witterung – kann gezieltes BGM den entscheidenden Wettbewerbsvorteil im War for Talents liefern.
Strukturelle Maßnahmen wirken stärker als Verhaltensprävention
Ein zentraler Befund der iga-Studie: Strukturelle Verbesserungen – etwa in der Arbeitsorganisation oder in betrieblichen Abläufen – zeigen eine deutlich stärkere Wirkung auf die Arbeitgeberattraktivität als rein verhaltensbezogene Angebote wie Rückenschulkurse oder Ernährungsberatung. Das bedeutet für Baumaschinenbetriebe konkret: Investitionen in lärm- und emissionsarme Elektrobagger, ergonomische ROPS-Kabinen mit Klimatisierung und Federung, moderne Telematik-Systeme zur Entlastung der Maschinisten oder die systematische Reduktion von Standzeiten durch bessere Einsatzplanung wirken nachhaltiger als klassische Gesundheitsprogramme.
Die Studie betont, dass solche strukturellen Maßnahmen zugleich die Arbeitsbedingungen direkt verbessern und als Signal an die Belegschaft wahrgenommen werden: Das Unternehmen nimmt Arbeitsschutz ernst und handelt präventiv. Das trifft den Nerv einer Generation, die Wert auf sinnstiftende, sichere und gesundheitsverträgliche Arbeitsbedingungen legt. Im Kontext der Elektrifizierung der Baustelle eröffnen sich hier neue Chancen: Emissionsfreie Maschinen reduzieren nicht nur die Umweltbelastung, sondern auch die Gesundheitsrisiken für Bediener und Anrainer.
Wie Führungskräfte die Qualität von Arbeitsschutzmaßnahmen beeinflussen
Ein weiterer Befund des iga-Reports: Vorgesetzte spielen eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung von Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahme. Sie informieren die Mitarbeitenden, binden sie aktiv ein und unterstützen sie bei der Umsetzung. Zudem können Führungskräfte Rückmeldungen aus der Belegschaft an die Unternehmensleitung weitergeben – ein wesentlicher Mechanismus, um Angebote kontinuierlich weiterzuentwickeln und an die Bedürfnisse der Beschäftigten anzupassen.
Für Betriebe mit großen Fahrzeugflotten – etwa Volvo CE-Radladern oder Komatsu-Baggern – bedeutet das: Die Qualität von Schulungen, die Wartungsdisziplin bei sicherheitsrelevanten Bauteilen (z. B. Hydraulikhämmern oder Anbaugeräten) und die Bereitschaft, auf Rückmeldungen der Maschinisten zu reagieren, werden direkt vom Führungsverhalten geprägt. Ein partizipativer Führungsstil, der Maschinenbediener bei der Gefährdungsbeurteilung, der Auswahl von Schnellwechslern oder der Optimierung von Arbeitsprozessen einbezieht, erhöht nicht nur die Sicherheit, sondern auch die Bindung ans Unternehmen.
BGM als Wettbewerbsvorteil im Fachkräftemarkt
Die Studienautoren betonen: Einkommen, Zusatzleistungen, Arbeitszeiten und Entwicklungschancen bleiben wichtige Rahmenbedingungen. Genauso bedeutend sind jedoch Teamkultur, Führungsstil, Respekt und Werte wie Nachhaltigkeit oder gesellschaftliche Verantwortung. Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung zahlen dabei direkt auf die Attraktivität ein.
In einer Branche, die traditionell mit physischer Belastung, Unfallrisiken und hoher Fluktuation zu kämpfen hat, kann ein glaubwürdiges BGM den Unterschied machen. Gerade jüngere Fachkräfte, die zunehmend Wert auf Work-Life-Balance und Gesundheitsschutz legen, achten bei der Arbeitgeberwahl auf solche Signale. Wer nachweisen kann, dass Maschinenführer regelmäßig auf ergonomisch optimierte Kabinen, moderne Sicherheitssysteme und präventive Gesundheitschecks zugreifen können, hat im Recruiting einen klaren Vorteil.
Was kommt als Nächstes?
Der iga-Report liefert eine fundierte Grundlage, um BGM strategisch im Recruiting und in der Mitarbeiterbindung zu positionieren. Die nächsten Schritte für Baumaschinenunternehmen sind klar: Systematische Gefährdungsbeurteilungen durchführen, Führungskräfte in gesundheitsorientierter Führung schulen und strukturelle Verbesserungen gezielt vorantreiben. Der Hebel ist groß – nicht nur für die Gesundheit der Belegschaft, sondern auch für die Wettbewerbsfähigkeit im Fachkräftemarkt.
Verwandte Entwicklungen, etwa bei Sandvik und deren Mitarbeiterbefragungen im Kontext des Fachkräftemangels, zeigen: Große OEMs nehmen das Thema ernst und setzen auf datengetriebene Ansätze zur Bindung ihrer Teams. Betriebe, die diesen Weg konsequent gehen, werden langfristig nicht nur sicherer, sondern auch attraktiver für die besten Köpfe der Branche.
Quellen
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt und redaktionell geprüft.

