Offroad-Reifen sind Reifen für Baumaschinen und Baufahrzeuge, die auf unbefestigtem Gelände, Baustellenpisten oder losem Untergrund eingesetzt werden. Sie unterscheiden sich von Straßenreifen durch eine verstärkte Karkasse, ein grobstolliges Profil und eine erhöhte Durchstichfestigkeit der Seitenwände.
Aufbau und Merkmale
Die Karkasse besteht aus mehreren Lagen Stahl- oder Textilcord, die in Diagonal- oder Radialbauweise angeordnet sind. Verstärkte Flanken schützen vor Beschädigungen durch Gestein, Wurzeln und scharfkantigen Schutt. Das Profil ist grobstollig mit tiefen Rillen ausgeführt, um Selbstreinigung bei Schlamm und losem Material zu ermöglichen. Die Profiltiefe liegt bei neuen Reifen für Erdbewegungsmaschinen je nach Dimension und Einsatzklasse häufig zwischen 30 mm und 80 mm.
Bauarten
Diagonalreifen (Bias-Reifen) besitzen mehrere sich kreuzende Cordlagen und gelten als robust gegenüber Seitenwandbeschädigungen, haben aber einen höheren Rollwiderstand. Radialreifen weisen eine Gürtellage quer zur Laufrichtung auf, bieten eine größere Aufstandsfläche, geringeren Kraftstoffverbrauch und eine höhere Laufleistung, sind jedoch empfindlicher gegenüber seitlichem Steinschlag.
Kennwerte und Kennzeichnung
Die Tragfähigkeit von Offroad-Reifen wird über die Ply-Rating-Klasse (PR) angegeben, die die Festigkeit der Karkasse beschreibt, unabhängig von der tatsächlichen Lagenzahl. Übliche Klassen im Erdbau- und Baumaschinenbereich reichen von 10PR bis 28PR. Zur Bewertung der Wärmeentwicklung bei Dauerbetrieb dient der TKPH-Wert (Tonne-Kilometer pro Stunde), der angibt, welche Last-Geschwindigkeits-Kombination ein Reifen dauerhaft ohne Überhitzung verträgt. Größenbezeichnungen folgen den Vorgaben der ETRTO beziehungsweise, im nordamerikanischen Markt, der TRA.
Einsatzbereiche
Offroad-Reifen kommen an Radladern, Muldenkippern, Baggern mit Rädern, Teleskopladern und Baustellen-Lkw zum Einsatz. Je nach Profilgestaltung unterscheidet man Traktionsprofile für weiche, nachgiebige Böden, Blockprofile für steinigen Untergrund sowie Rock-Profile mit besonders dicker Lauffläche für scharfkantigen Fels und Schutt.
Luftdruck und Tragfähigkeit
Der Betriebsdruck liegt je nach Reifendimension und Last zwischen etwa 2 bar und 6 bar. Abweichungen vom vorgeschriebenen Druck wirken sich unmittelbar auf Tragfähigkeit, Profilverschleiß und Durchschlagsgefahr aus. Einige Baumaschinen sind mit einer zentralen Reifendruckregelanlage ausgestattet, die den Luftdruck während der Fahrt an den Untergrund anpasst. Diese Anlage ist eine fahrzeugseitige Zusatzausstattung und kein Merkmal des Reifens selbst.
Verschleiß und Prüfung
Zur Beurteilung des Zustands werden Profiltiefe, Karkassenschäden und Seitenwandrisse regelmäßig kontrolliert. Eine zu geringe Restprofiltiefe mindert die Selbstreinigung und erhöht die Rutschgefahr auf losem Untergrund. Reparaturen an der Karkasse sind nur innerhalb der vom Hersteller freigegebenen Grenzen zulässig, da die Tragfähigkeit sonst nicht mehr gewährleistet ist.