Die Spundwand ist eine linienförmige Verbaukonstruktion aus ineinandergreifenden, profilierten Stahlbohlen. Sie sichert Baugruben, stabilisiert Geländesprünge und übernimmt durch die geschlossene Aneinanderreihung der Einzelbohlen eine Dichtungsfunktion gegenüber Grundwasser und Oberflächenwasser. Eingesetzt wird sie im Spezialtiefbau, im Wasserbau sowie bei Hochwasserschutzmaßnahmen, wo sie Erddruck, Wasserdruck und Verkehrslasten aufnimmt.

Aufbau und Werkstoff

Spundbohlen bestehen überwiegend aus warmgewalztem Stahl. Gängige Stahlgüten reichen von S240GP bis S430GP, wobei die Zugfestigkeit und Streckgrenze mit steigender Güte zunimmt und so höhere Biegemomente aufgenommen werden können. Für geringere Lasten oder temporäre Anwendungen kommen auch Spundwände aus Stahlbeton oder, bei leichten Bauvorhaben und im Garten- und Landschaftsbau, aus Kunststoff zum Einsatz.

Profilformen

Die beiden verbreiteten Grundformen sind U-Profile und Z-Profile, die sich durch die Lage der Schlösser (Verbindungselemente zwischen den Bohlen) unterscheiden. Bei U-Profilen liegen die Schlösser in der Symmetrieachse des Querschnitts, also nahe der neutralen Faser. Da Zug- und Schubkräfte zwischen benachbarten Bohlen durch diese Schlösser übertragen werden, entsteht bei Biegebeanspruchung ein gewisser Schlupf, der die rechnerische Tragfähigkeit gegenüber dem vollen Querschnitt reduziert. U-Profile sind konstruktiv einfacher und werden häufig bei moderaten Einbindetiefen verwendet. Bei Z-Profilen liegen die Schlösser in den Randfasern, also am größten Abstand von der neutralen Achse. Dadurch trägt der gesamte Querschnitt ohne nennenswerten Schlupfverlust zur Biegesteifigkeit bei, was bei gleichem Stahlgewicht eine höhere Tragfähigkeit ermöglicht. Z-Profile kommen bevorzugt bei großen Einbindetiefen und hohen Biegemomenten zum Einsatz. Daneben existieren kombinierte Spundwände aus tragenden Stahlrohren oder Trägerprofilen mit dazwischengesetzten Zwischenbohlen für sehr hohe statische Anforderungen.

Einbauverfahren

Spundbohlen werden durch Rammen, Vibrationsrammung oder hydraulisches Einpressen in den Boden eingebracht. Der Schlagbär erzeugt dabei hohe Stoßkräfte, während der Vibrationsbär über hochfrequente Schwingungen den Boden kurzzeitig verflüssigt und die Bohle mit geringeren Erschütterungen einbringt. Hydraulische Einpresssysteme arbeiten nahezu geräusch- und erschütterungsarm und werden zunehmend in innerstädtischen Bereichen mit strengen Immissionsauflagen eingesetzt.

Normen und Ausführung

Die Ausführung von Spundwandkonstruktionen im Spezialtiefbau ist in DIN EN 12063 geregelt. Sie legt Anforderungen an Herstellung, Einbau und Qualitätssicherung fest.

Einsatzgebiete

Spundwände sichern Baugrubenränder im innerstädtischen Tiefbau, dienen als Uferbefestigung an Flüssen und Kanälen, kommen bei Hafenanlagen als Kai- und Ufereinfassung zum Einsatz und bilden temporäre oder permanente Hochwasserschutzwände.

Spundwand in der Berichterstattung

Grundlagen zu Aufbau und Einsatzgebieten der Spundwand behandelt der Beitrag Spundwand: Definition, Aufbau und Einsatzgebiete im Bauwesen. Die Einbringtechnik erläutert der Artikel Vibrationsbär: Funktionsweise und Einsatz im Spezialtiefbau. Marktbezogene Einordnungen zu Spundwand-Arbeiten und Einbringverfahren liefern Tunnelbau & Spezialtiefbau Deutschland: Marktüberblick Mitte 2026 und Tunnelbau & Spezialtiefbau Deutschland: Welche Entwicklungen prägen den Markt 2026?.