Das Laufwerk gehört zu den am stärksten beanspruchten Komponenten bei Raupenbaggern, Bulldozern und anderen Raupenfahrzeugen. Kettenverschleiß führt zu Längung, erhöht den Verschleiß an Antriebsrädern und kann bei zu spätem Austausch Folgeschäden an Kettenrädern und Ritzeln verursachen. Wer den Verschleißzustand systematisch überwacht, plant Wartungen vorausschauend, vermeidet teure Stillstände und senkt die Total Cost of Ownership (TCO) seiner Maschinen.

Wie entsteht Kettenverschleiß und warum ist Längung das zentrale Verschleißmaß?

Antriebsketten verschleißen durch Abnutzung der Gliederverbindungen zwischen Bolzen, Lagerkragen, Hülse und Rolle. Bei jeder Umlenkung über die Kettenräder werden die Glieder ausgelenkt – die als Gleitlagerung arbeitenden Verbindungen unterliegen dabei permanenter Reibung. Bei gut gepflegten Ketten erfolgt dieser Verschleiß an allen Gliedern weitgehend gleichmäßig und resultiert in der Längung der Kette.

Die Längung ist das wichtigste Verschleißmaß: Sobald der Abstand der Kettenglieder – die sogenannte Teilung – nicht mehr exakt zum Abstand der Zähne auf den Antriebsrädern passt, konzentriert sich die Kraftübertragung nur noch auf wenige Auflagepunkte. Die Kette wandert aus den Zahntälern relativ nach außen und „gräbt" sich in die lastseitigen Flanken der Zähne ein, was den Verschleiß an Kettenrädern und Ritzeln deutlich beschleunigt. Eine gelängte Kette läuft nicht mehr leise und sauber, kann durchrutschen oder sogar aus den Zähnen herausklettert.

Verschleißmessung mit Tiefenmesslehre und Vermessungsset

Die regelmäßige Überprüfung des Verschleißzustandes ermöglicht eine bessere Wartungsplanung, vermeidet größere Schäden und garantiert Kontinuität bei der Arbeit. Die Messung erfolgt nach der traditionellen Methode mit mechanischen Hilfsmitteln:

  • Tiefenmesslehre, Dickenmessgeräte
  • Spachtel, Drahtbürste, Temperaturmessgerät
  • Maßband, Rollmeter, Stift und Papier

Vor der Messung muss das zu messende Kettenstück einer gewissen Vorspannung ausgesetzt werden, um das in den Gliedern vorhandene Schmiermittel (Kettenfett) zu verdrängen und Fehlmessungen zu eliminieren. Die gemessenen Werte sollten systematisch dokumentiert werden – viele Hersteller bieten dafür Merkblätter an, in denen sich der Verschleiß über mehrere Messzyklen hinweg nachvollziehen lässt.

Wann sollte die Kette gewechselt werden?

Basierend auf den durchgeführten Messungen können Sie anhand herstellerspezifischer Verschleißtabellen die Lebensdauer einer Laufwerkskomponente ermitteln. Diese Tabellen geben für jede gemessene Komponente spezifische Grenzwerte an, bei denen ein Austausch fällig ist. Die Werte unterscheiden sich je nach Hersteller, Maschinentyp und Einsatzbedingungen.

Grundsätzlich gibt es zwei Strategien: Entweder Sie wechseln die Kette beim Erreichen eines definierten Verschleißmaßes durch eine neue – das schont Kettenblätter und Zahnkränze. Oder Sie fahren die Kette und den ganzen Antriebsstrang so lange wie möglich und wechseln dann Kettenblätter und Zahnkränze zusammen mit der Kette. Welche Vorgehensweise langfristig kostengünstiger ist, hängt von Ihren Einsatzbedingungen, der Verfügbarkeit von Ersatzteilen und den konkreten Verschleißraten ab.

Vorbeugende Instandhaltung: Nachspannintervalle und Wartungsplanung

Unter dem Begriff Instandhaltung werden alle technischen und administrativen Maßnahmen verstanden, die an Baumaschinen vorgenommen werden, um den funktionsfähigen Zustand der Maschinen zu erhalten. Entscheidend ist, dass die Instandhaltung während der Vorhaltezeit stattfindet – also während die Maschinen auf einer Baustelle eingesetzt sind. Die Instandsetzung hingegen umfasst Reparaturen außerhalb der Vorhaltezeit, um die Maschinen für einen neuen Einsatz vorzubereiten.

Eine planmäßige vorbeugende Instandhaltung (PVG) bedeutet: regelmäßige Inspektion und Wartung der Maschinen, noch bevor sich ein Defekt bemerkbar macht. Dabei werden kleinere Schäden, die bei der Inspektion festgestellt werden, sofort behoben und bestimmte fehleranfällige Bauteile routinemäßig und unabhängig von ihrem konkreten Abnutzungszustand ausgetauscht. Diese vorbeugende Instandhaltung ist in der Regel kostengünstiger, als wenn Bauarbeiten wegen eines Maschinenausfalls gestoppt werden müssen.

Normen DIN EN 13306 und DIN 31051: Eindeutige Begriffe für die Praxis

Um Missverständnisse zwischen Betreiber, Werkstatt und Hersteller zu verhindern, existieren einheitliche Normen für Instandhaltungsprozesse. Die europäische Norm DIN EN 13306 erklärt die Bedeutung aller wichtigen Begriffe, die beim Prozess der Instandhaltung eine Rolle spielen – von Ausfällen und Fehlern über Instandhaltungsstrategien bis zu Phasen der Instandhaltung. Die ursprüngliche Norm DIN 31051 ergänzt Begriffe, die in der DIN EN 13306 noch nicht abgedeckt sind.

Der Vorteil dieser Normen: Alle Beteiligten wissen, worüber gerade gesprochen wird. Die europäische Norm ist zudem in Deutsch, Englisch und Französisch verfügbar und kann damit auch bei Bauprojekten mit internationalen Geschäftspartnern eingesetzt werden.

Praxistipps: Verschleißmessung und Dokumentation im Wartungsalltag

  • Legen Sie feste Messintervalle nach Betriebsstunden oder Kalenderwochen fest – abhängig von Ihren Einsatzbedingungen (Steinbruch, Erdbewegung, Tiefbau).
  • Dokumentieren Sie alle Messwerte systematisch in einem Merkblatt oder in der Flottenmanagement-Software. So erkennen Sie Verschleißtrends frühzeitig.
  • Fordern Sie bei Ihrem Hersteller oder Händler ein Vermessungsset sowie die passenden Verschleißtabellen für Ihre Maschinentypen an.
  • Berücksichtigen Sie bei der Wartungsplanung auch die Verfügbarkeit von Ersatzteilen: Ketten, Kettenräder und Ritzel sollten rechtzeitig bestellt werden.
  • Schulen Sie Ihre Maschinenführer in der Erkennung von Frühwarnsignalen: erhöhte Laufgeräusche, ruckartiges Anfahren oder sichtbare Längung deuten auf fortgeschrittenen Verschleiß hin.

Wer Kettenverschleiß und Laufwerksinstandhaltung ernst nimmt, reduziert nicht nur Reparaturkosten, sondern erhöht auch die Verfügbarkeit seiner Maschinen. Die regelmäßige Verschleißmessung mit einfachen mechanischen Hilfsmitteln ist schnell durchgeführt und bildet die Grundlage für eine vorausschauende Wartungsplanung – ein entscheidender Wettbewerbsvorteil auf der Baustelle.