Auf Schweizer Baustellen im Pfahlgründungs- und Spezialtiefbau kommen Bohrgeräte unterschiedlichster Bauart zum Einsatz. Die Küchler Technik AG aus Kriens vertreibt in der Schweiz Comacchio-Bohrgeräte, einen italienischen Hersteller mit Produktlinien für geotechnische Anwendungen, Geothermie und Brunnenbohrungen. Parallel dazu bietet die BMK Baumaschinen AG aus Aadorf als Generalimporteur GEAX-Bohrgeräte an. Weitere Akteure wie die BTD Bohrtechnik AG in Scharans vertreiben Beretta-Maschinen und Verfüllbaustoffe, während Liebherr auch Drehbohrgeräte im Schweizer Sortiment führt. Die Landschaft ist fragmentiert, die Spezialisierung hoch – und die Anforderungen reichen von geotechnischen Untersuchungsbohrungen bis zu Großdiameter-Pfahlgründungen.

Welche Bohrverfahren kommen zum Einsatz?

Die Palette reicht von Ankerbohrgeräten über geotechnische Bohrgeräte bis hin zu Geothermie- und Brunnenbohrmaschinen. Comacchio etwa gliedert sein Sortiment nach Anwendungsfall: Ankerbohrgeräte für die Hangstabilisierung, geotechnische Maschinen für Baugrunduntersuchungen, Drehbohrgeräte für Pfahlgründungen und Explorationstechnik für Bergbau und Wassersuche. Beretta-Maschinen wie die T46 und T47/GEO sind laut BTD Bohrtechnik speziell für geotechnische Untersuchungen konzipiert, während leichtere Modelle wie die Beretta T15 mit 9-PS-Motor für kleinere Aufschlüsse dienen.

Parallel dazu gibt es gesteuerte Bohrverfahren: Die Terra AG für Maschinenbau in Reiden liefert HDD-Spülbohranlagen für grabenlose Rohrverlegung, Erdraketen und Berstlining-Systeme. Auch Liebherr führt Drehbohrgeräte für beengte Platzverhältnisse im Sortiment, die vor allem bei innerstädtischen Baugruben nachgefragt sind.

Wie unterscheiden sich die Drehmomentklassen?

Comacchio bietet zwei Hauptlinien für Drehbohrgeräte an: die CH-Line und die CHF-Line. Details zu Drehmomentklassen, Motorleistungen oder Bohrtiefe nennt die Küchler Technik AG auf ihrer Website nicht – die Produktauswahl erfolgt projektspezifisch. Auch bei Beretta-Modellen bleibt die Dokumentation allgemein: Die T47/GEO-Baureihe wird als geotechnische Bohrmaschine beschrieben, die T22/S1 als Gerät für geotechnische Untersuchungen, konkrete Drehmomente oder Bohrdurchmesser fehlen in den verfügbaren Quellen. Die BTD Bohrtechnik AG setzt neben Geräteverkauf auf Bohrwerkzeug und Verfüllbaustoffe – ein Hinweis darauf, dass das Geschäftsmodell über den reinen Maschinenhandel hinausgeht.

GEAX-Bohrgeräte, vertrieben durch die BMK Baumaschinen AG, werden als „innovative und zuverlässige Bohrtechnik" vermarktet, wobei auch hier keine technischen Spezifikationen öffentlich verfügbar sind. Die Marktlogik im Schweizer Spezialtiefbau ist klar: Bohrgeräte sind Projektmaschinen, die auf Basis von Bodengutachten, Pfahldurchmessern und Einbindetiefen konfiguriert werden – Standardspezifikationen gibt es selten.

Welche Servicekonzepte bieten die Distributoren?

Küchler Technik bietet laut Firmenangaben Service und Reparaturen für Bohrgeräte an, außerdem Miet-Bohrgeräte und Fachschulungen. Die BMK Baumaschinen AG ergänzt den Geräteverkauf durch Reparatur- und Servicearbeiten und führt als Stützpunkt von Hansa Flex einen Hydraulikschlauchservice. Beide Unternehmen kommen aus dem Tiefbau – die Geschäftsführer der BMK, Guido und Marco Korrodi, führen seit 2004 parallel ein Tiefbauunternehmen im Spezialtiefbau. Das bedeutet: Maschinen werden zunächst im eigenen Einsatz getestet, bevor sie ins Verkaufssortiment aufgenommen werden – ein praxisnaher Ansatz, der in der Branche Gewicht hat.

Auch Eurodrill tritt in der Schweiz als Zulieferer von Bohrausrüstung auf, ebenso Lumesa mit Bohrlafetten und Zubehör. Die Küchler Technik listet zudem ŽMLJ d.o.o. als Partner und die GERTEC Maschinen- und Anlagenbau GmbH. Die Produktketten sind international, die Servicestrukturen lokal – typisch für den Schweizer Nischenmarkt.

Wie entwickelt sich der Markt?

Die Schweizer Distributoren setzen auf Mehrmärkenstrategie: Die BMK etwa hat 2025 eine Partnerschaft mit Multi Handling AG und SANY Baumaschinen geschlossen und vertreibt nun als regionaler Partner SANY-Baumaschinen in der Ostschweiz. Parallel dazu führt sie Betonspritzmaschinen von Ocmer, Betonpumpen von Mecbo, Notstromaggregate von Green Power und gelenkige Hebebühnen von Platform Basket. Dieses Sortiment zeigt: Der Spezialtiefbau in der Schweiz ist kleinteilig, die Nachfrage nach Nischenmaschinen stabil, aber projektgetrieben.

Küchler Technik wiederum erweitert das Portfolio laufend um Ankertechnik, Injektionssysteme und Messtechnik für Anker- und Pfahlprüfungen. Die Firma bietet auch Registrierungen von Injektionssystemen an – ein Hinweis auf die regulatorische Komplexität im Schweizer Spezialtiefbau. Messen wie die BAUMAG in Luzern (geplant für 21.–23. Januar 2027) dienen den Distributoren als Plattform für Produktpräsentationen und Kundenkontakte.

Fazit

Der Schweizer Markt für Pfahlgründungsgeräte und Bohrmaschinen ist geprägt von spezialisierten Distributoren mit engen Herstellerpartnerschaften. Comacchio, Beretta, GEAX und Eurodrill liefern die Technik, lokale Player wie Küchler Technik, BTD und BMK übernehmen Vertrieb, Service und Schulung. Konkrete Drehmomentklassen und Leistungsdaten bleiben in der Regel projektspezifisch – die Beratung zählt mehr als der Katalog. Wer in der Schweiz bohrt, braucht nicht nur die Maschine, sondern auch das Know-how für Bodenverhältnisse, Verankerungstechnik und behördliche Auflagen. Und genau das liefern die Distributoren mit.