Liebherr hat am 30. Juli 2026 die Förderpreise an 20 Schülerinnen und Schüler des Technischen Gymnasiums an der Gewerblichen Schule Ehingen vergeben. Die Auszeichnung ist Teil einer Kooperation, die seit 2007 besteht und gezielt junge Talente für technische Berufe in der Baumaschinen- und Kranbranche gewinnen soll. Die drei besten Teams erhielten Preisgelder zwischen 200 und 500 Euro – alle Teilnehmenden wurden mit Urkunden und Sachpreisen ausgezeichnet.
Das aktuelle Projekt startete am 8. Dezember 2025 und forderte die Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse heraus, ein Modul zu konstruieren und zu fertigen, das ein Bauteil um 180 Grad entlang seiner Längsseite dreht. Die Aufgabenstellung kam von Lehrer Marcus Bund: „Konstruieren und fertigen Sie ein Modul, das ein Bauteil um 180 Grad entlang seiner Längsseite dreht. Das Bauteil soll über ein vorhandenes Förderband in die Vorrichtung geschoben und nach dem Wendevorgang wieder darauf abgelegt werden."
Wie das Projekt die Praxis abbildet
Die Wendeeinheit musste neben der rein technischen Funktion weitere Anforderungen erfüllen, die den Anforderungen auf realen Baustellen und in der Fertigung entsprechen. Unterstützt wurden die Teams von Simon Ritter, Ausbilder für technische Studiengänge bei Liebherr. Zu den Projektanforderungen zählten:
- Gewährleistung der allgemeinen Sicherheit der Anlage
- Wirtschaftliche Fertigung unter realistischen Kostenvorgaben
- Umfassende Dokumentation inklusive Lasten- und Pflichtenheft
- Marktanalyse und Entwicklung eines Produktnamens
- Technische Unterlagen wie Zeichnungen, Schaltpläne und Berechnungen
- Fertigungsdokumentation und Kostenkalkulation
Diese Anforderungen spiegeln exakt die Arbeitsprozesse wider, die in der Entwicklungsabteilung eines Mobilkran-Herstellers oder in der Konstruktion von Anbaugeräten Standard sind. Die Schüler durchliefen damit einen vollständigen Produktentstehungsprozess – von der Aufgabenstellung über die Konzeption bis zur fertigen Anlage.
Warum Liebherr die Nachwuchsförderung systematisch betreibt
Die Förderpreise sind kein reines PR-Instrument, sondern Teil einer langfristigen Personalstrategie. Seit 2007 vergibt das Liebherr-Werk Ehingen diese Auszeichnungen – ein Zeitraum von fast zwei Jahrzehnten, in dem sich der Fachkräftemangel in der Bauwirtschaft und im Maschinenbau kontinuierlich verschärft hat. Die systematische Zusammenarbeit mit der Gewerblichen Schule Ehingen schafft eine Pipeline für Auszubildende und Dual-Studierende.
Bernd Boos, Technischer Geschäftsführer der Liebherr-Werk Ehingen GmbH, überreichte die Förderpreise persönlich in der Lehrwerkstatt des Liebherr-Werks. Der erste Preis über 500 Euro ging an Emilia Beck und Selina Haberbosch, den zweiten Preis über 300 Euro erhielten Reiner Wallner, Leon Jesser und Simon Schwarz. Der dritte Platz mit 200 Euro ging an Manuel Engel, Bastian Guggenberger und Nico Benkendorf.
„Alle Teilnehmenden haben wertvolle Erfahrungen gesammelt und gezeigt, was mit Fachwissen, Engagement und Teamgeist möglich ist. Die unterschiedlichen Lösungen verdeutlichen, wie vielfältig und kreativ technische Herausforderungen gemeistert werden können", lobte Boos bei der Preisverleihung.
Welche Bedeutung solche Projekte für die Branche haben
Die Baumaschinen- und Kranbranche ist auf hochqualifizierte Fachkräfte in Konstruktion, Fertigung und Service angewiesen. Während Caterpillar, Komatsu und Volvo CE international um Ingenieure konkurrieren, kämpfen mittelständische Zulieferer und regionale Werke um jede ausgebildete Fachkraft. Die Kooperation zwischen Schule und Unternehmen sichert frühzeitig Zugang zu Talenten – lange bevor sie sich für einen Arbeitgeber entscheiden.
Projekte wie die Wendeeinheit bieten den Schülern einen realistischen Einblick in die Anforderungen der Branche. Sie lernen, dass technische Lösungen immer auch wirtschaftlich bewertet werden müssen – eine Kompetenz, die in der Erdbewegung und im Krangeschäft über die Wettbewerbsfähigkeit entscheidet. Die Dokumentationspflicht trainiert zudem Fähigkeiten, die in der Zertifizierung und im BIM-gestützten Bauprozess unverzichtbar sind.
Wie andere Hersteller vorgehen
Liebherr ist nicht allein mit dieser Strategie. Wacker Neuson kooperiert mit Berufsschulen in Bayern, BOMAG bietet duale Studiengänge in Kooperation mit der Hochschule Koblenz an. SENNEBOGEN setzt auf Ausbildungsmessen und Praktikumsprogramme, um frühzeitig Kontakt zu potenziellen Nachwuchskräften aufzubauen.
Die Herausforderung ist branchenweit dieselbe: Die demografische Entwicklung reduziert die Zahl der Schulabgänger, gleichzeitig konkurrieren IT-Branche, Automobilindustrie und Medizintechnik um dieselben Talente. Wer als Baumaschinen-Hersteller nicht systematisch in Nachwuchsförderung investiert, riskiert mittelfristig Engpässe in der Produktentwicklung und im Service.
Was Unternehmen von der Liebherr-Initiative lernen können
Die Förderpreise zeigen drei Erfolgsfaktoren für wirksame Nachwuchsförderung:
- Langfristigkeit: Seit 2007 läuft das Programm kontinuierlich – keine einmalige Aktion, sondern verlässliche Partnerschaft.
- Praxisbezug: Die Aufgabenstellungen stammen direkt aus der Fertigung und bilden reale Anforderungen ab.
- Sichtbarkeit: Die Preisverleihung im Werk, die Betreuung durch Liebherr-Ausbilder und die öffentliche Würdigung schaffen emotionale Bindung.
Für Bauunternehmer und Flottenmanager, die selbst mit Fachkräftemangel kämpfen, lohnt sich ein Blick auf diese Strategien. Wer frühzeitig Kontakt zu Berufsschulen, Technischen Gymnasien oder Fachoberschulen aufbaut, kann Auszubildende und Umschüler gewinnen, bevor sie sich anderweitig orientieren.
Die sieben Teams arbeiteten über mehrere Monate an ihren Projekten und präsentierten die Ergebnisse bei der Abschlussveranstaltung in der Lehrwerkstatt des Liebherr-Werks. Eine Jury, bestehend aus den Ausbildern Simon Ritter und Andreas Reichart, bewertete die Arbeiten anhand eines umfangreenden Kriterienkatalogs. Die unterschiedlichen Lösungsansätze zeigten die Bandbreite an technischen Möglichkeiten – von manuell gesteuerten Mechaniken bis hin zu elektrisch betriebenen Systemen.
Die Initiative ergänzt weitere Maßnahmen von Liebherr zur Nachwuchsförderung. Erst im Frühjahr 2026 öffnete das Werk Ehingen für Kindergartenkinder, um bereits im Vorschulalter Interesse für Technik zu wecken. Die Kombination aus früher Begeisterung und projektbasierter Förderung im Jugendalter schafft eine Pipeline, die bis in die duale Ausbildung und ins Studium reicht.
Für die Baumaschinenbranche bleibt die Nachwuchsfrage entscheidend. Während Elektrifizierung und Digitalisierung die technischen Anforderungen steigern, schrumpft die Zahl der verfügbaren Fachkräfte. Initiativen wie die Liebherr-Förderpreise zeigen, wie Hersteller gegensteuern – und warum Investitionen in Ausbildung mittelfristig die Wettbewerbsfähigkeit sichern.
Quellen
Liebherr
Weltweit führender Hersteller von Baumaschinen und Kranen
Dieser Artikel wurde mit KI-Unterstützung erstellt und redaktionell geprüft.



